
Genau heute vor einem Jahr wurde der 12. April 2021 in der Türkei zum ‚Tag der Vergewaltigung‘ erklärt. Aufrufe zur Vergewaltigung von Frauen* verbreiteten sich wie ein Lauffeuer im Netz. Dies war die Folge vom verantwortungslosen Verhalten der türkischen Regierung, die, trotz massiv steigender Frauenmorde, aus der Istanbul Konvention ausgetreten ist.
„Der 12. April ist der Tag der Massenvergewaltigung und des Massenmordes. F..k jede, die du siehst. Morgen gibt es ein Fest, wacht früh auf Kinder. “ (*)
Die Istanbul Konvention (auch bekannt als ‚Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt‘) ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der im Jahr 2011 von 13 Staaten in Istanbul unterzeichnet wurde. Diese Konvention trat im Jahr 2014 in Kraft und sorgt für rechtliche Normen gegen häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen*. Da nun die steigende Gewalt und steigenden Morde dadurch nahezu legalisiert wurden, zeigten sich viele Prominente* solidarisch und es fanden sowohl vor als auch nach dem Austritt Proteste seitens Feminist*innen statt.
Nun hatte diese massiv verwerfliche Entscheidung zur Folge, dass viele potenzielle Täter sich in ihrem Gedankengut bestärkt fühlten.
„Möge die Jagd beginnen, heute ist unser Tag. Foltert und mordet anschließend, aber vergesst nicht auch zu genießen.“ (*)
Die ohnehin milderen Strafen gegenüber Tätern von Femiziden bauten die Basis hierfür. Der Austritt aus der Konvention wurde als gutheißendes Gedankengut seitens der Regierung gegenüber von (potenziellen) Tätern. Die Annahme, dass dies als gutheißendes Gedankengut der Regierung zu verstehen ist, ist in diesem Land möglich, weil patriarchale Strukturen bis in die tiefsten Wurzeln des politischen Systems bestehen.
„Ich warte mit Begeisterung. Sobald ich eine Feministin sehe auf der Straße ersteche ich sie. „ (*)
Am 12. April 2021 posteten zahlreiche Männer erst auf Twitter und anschließend auf den übrigen Sozialen Medien Beiträge mit Hashtags wie #internationalertagdervergewaltigung und #vergewaltigungundmassenmord. Diese Postings wurden in Form von Drohungen geteilt. Teilweise bestimmten diese potenziellen Täter einen Bereich in ihrem Wohnort, in dem sie „auf der Jagd“ waren. Diese Aktionen wurden bewusst unter dem Mantel des „schwarzen Humors“ verharmlost. Diese Aktionen waren alles andere als harmlos und ungefährlich. Sichtbar ist dies anhand zahlreicher Warnungsnachrichten an Frauen* und Beiträge von Frauen*vereine zur Warnung, welche Sicherheitsmaßnahmen empfahlen, falls Frauen* das Haus verlassen würden.
„Ich werde jede Frau jagen, die in Istanbul Beylikdüzü ist.“ (*)
So steht der 12. April auch im Jahr 2022 repräsentativ für frauenfeindliche und patriarchale Systeme weltweit. Was folgte auf diesen Terror? Am selben Tag berichteten die Zeitungen, dass diejenigen, die sich an diesem Ekel beteiligt haben, rechtliche Folgen zu befürchten haben. Einer von ihnen im Alter von 17 Jahren begründete bei der Einvernahme sein Verhalten damit, dass er seinen Account in den Trends sehen wollte. In seinen Augen etwas harmloses, in den Augen der Welt ist es die verzweifelte Bestätigung von einer weiten mental unaufgeklärten Bandbreite an Menschen.
„Hab sie in der Früh nach Hause geschleppt, was ist das für ein Zustand Schla..e? Du hast jetzt verstanden, dass du dich nicht freizügig anziehen solltest, vermute ich?“ (*)
Durch die Verherrlichung solcher Straftaten erkennt man, dass massive systemische Änderungen nötig sind!
Quellen: Onedio , CNN Türk , Milliyet , Amnesty , Bundeskanzleramt , Statista
(*) Von der Bloggerin frei übersetzte Zitate von Twitter.